2016-03 Eine Tour am Rande des Chaos


So, nun sind Bimbi und ich wieder auf dem Heimweg. Wir haben die letzten Tage auf der wunderschönen Insel Madeira verbracht. Wer hätte ahnen können, dass irgendwie so ziemlich alles Geplante in die Hose gehen würde. Aber eines nach dem anderen.

Nach einer tagelangen Anreise sind wir über Lissabon nach Funchal geflogen. Besonders der Anflug auf den Flughafen Funchal war genial. Ich habe noch nie ein so kurze Start- und Landebahn gesehen. Im Übrigen war ich sehr froh einen Sitzpuffer zu einer Person mit widerlichem Mundgeruch gehabt zu haben. Uargs es läuft mir immer noch eiskalt den Rücken runter, wenn ich da dran denke.

  

Sicher in Funchal gelandet, konnte ich meine Ikea Tasche Frakta gleich am Gepäckband entgegen nehmen. Anscheinend reist wohl kein anderer mit diesen stabilen Taschen. Tststs. Werde aber noch ein paar ordentliche Träger dran nähen. In dieser Tasche befand sich mein Rucksack und die Klamotten, welche im Hotel der ersten und letzten Nacht deponiert werden sollten. Also ging es mit Ikea Tasche auf dem Rücken in ein vier Sterne Golf Hotel. Die Blicke der Dame an der Rezeption brauche ich wohl kaum zu beschreiben, nech?

Durch eine Überbuchung des Hotels waren wir gezwungen die 68 Quadratmeter große Suite mit zwei Schlafzimmern und Kamin zu nehmen. Da uns nichts anderes übrig blieb und wir die Dame an der Rezeption nicht auch noch für die Überbuchung zur Rechenschaft ziehen wollten, haben wir für diese Nacht dieses Zimmer akzeptiert.

  

Somit ging es am nächsten Tag nach einem ausgiebigen, reichhaltigen Frühstück los in Richtung Wald.

Keine 500 Meter aus dem Ort raus passierte uns schon ein folgenschwerer Fehler. Eine Abzweigung nicht genommen und schnurstracks dran vorbei und den Levadaweg verpeilt.

  

Naja schnell auf Maps.ME geschaut. Dem Weg folgen, ein klein wenig Umweg und wir würde auch zum Ziel kommen. Nunja zumindest wenn man die nächste Abbbiegung nicht auch verrafft hätte und auf un-kartografierten Wegen läuft. Keine zwei Stunden unterwegs und schon so fernab vom Schuss.

  

Das kann auch nur uns passieren. Egal nichts wie weiter zum Zeltplatz. Irgendwo müssen wir ja schlafen. Und auf der Insel ist es gar nicht so leicht eine halbwegs ebene Fläche zu finden. Also ging es weiter querfeldein, durch Flusstäler, Klettereinlagen und wieder auf normale Wege, welche zu Straßen führen. Während anfangs das Wetter noch diesig war, fing es bald an zu regnen und hörte so schnell nicht auf. Also ging es weiter gen Zeltplatz über einen sogenannten Wanderpfad.

  

  

Etliche Höhenmeter und bei genauerer Betrachtung stellte sich doch glatt heraus, dass wir eine Mountain Bike Strecke hochlaufen. Uff was haben wir für Glück mit dem scheiß Wetter gehabt, da trauen sich nicht einmal die Biker auf die Strecke.

  

Bei der nächsten Straße hat sich heraus gestellt, als weiterführenden Weg gebe es entweder die MTB Strecke oder doch die Straße entlang. Nach diesen Höhenmetern haben wir uns für die sanfteren Anstiege der Straße entschieden.

  

Nach diversen Ziegen und Schafen welche uns den Weg versüßt haben, sind wir den Rest mit einem englischen Pärchen getrampt. Sehr fein. Rechtzeitig am Ziel angekommen. Dazu noch eine heiße Schokolade zum Aufwärmen. Das sind die Parameter, welche eine wetterbedingt schlechte Stimmung wieder anheben können. Dann hieß es am Abend Tarp und Schlafplatz aufbauen. Wieder einmal in der bewährten Kombination, Bimbis Groundsheet und mein Dach. Zusätzlich hat Mademoiselle sich noch um die Blumen in unserem Vorgarten gekümmert. Wie spießig (und toll)! 

  

Am nächsten Morgen ging es weiter mit dem bekannten und verhassten Wetter. Erst einmal die nassen Klamotten wieder verstauen. Unsere Schlafsäcke haben besonders am Fußbereich ordentlich Feuchtigkeit aufgenommen. Da muss ich mir für die nächste Übernachtung definitiv etwas überlegen, sonst ist nach der nächsten Nacht der komplette Loft hinüber.

   

 Also wieder Motivation durch heiße Schokolade tanken und auf zum Balkon. Dieser Wanderweg ist ja seniorengerecht. Wir frotzelten ein wenig, wie leicht wir es doch gehabt haben könnten. Zwischendurch kamen doch ein paar Sonnestrahlen auf die Insel und es ergab sich ein wunderschönes Bild. Die Bergmassive, dazu ein Regenbogen und das Meer in Blickweite. Einfach märchenhaft <3

  

   

Eigentlich wollten wir von hier zum Pico Arriero und von dort über den PR1 Wanderweg zum höchsten Berg der Insel, dem Pico Ruivo. Doch erstens kommt es anders und zweitens als gedacht. Auf dem Balkon haben wir zwei deutsche Touristen getroffen, die zwei Tage zuvor auf dem Ruivo waren. Leider haben die Damen uns berichtet, dass der Weg von dort zum Arriero gesperrt sei. Nach einer kurzen Recherche hat sich herausgestellt, dass der Weg wegen eines Erdrutsches aktuell gesperrt sei.

Weiter ging es nach Santana, einmal die Klamotten durchtrocknen und den nächsten Tag zur Casa del Quelmadas. Von dort haben wir eine wunderbare Levada-Wanderung unternommen.

  

     

Immer noch krass, wie viele Rentnergruppen uns entgegen kamen, obwohl einem bei den schmalen Wegen und dem tiefen Abgrund zur Seite echt anders werden konnte. Meine Physiotherapeutin würde sich freuen. Das Gehen auf engen Pfaden ist eine ihrer fiesesten Übungen, welche nun über Stunden exerziert wurde.

  

Wenn ich einmal so alt bin, möchte ich immer noch solche Touren machen können. So langsam neigte sich der Akku der Kamera und vom Handy dem Ende zu. Fürs Handy hatte ich ja ein Solarpanel dabei… Doch was bringt das beste Solar Panel, wenn es kein Sonnenstrahl zum Panel durch die Wolkendecke schafft.

Kurze Bestandsaufnahme: Sechs Prozent Akku beim Handy und noch Saft für ein bis zwei Bilder auf der Kamera. Daher habe ich die folgende Zeit auch keine Bilder mehr machen können. Auch Bimbis Handy pfiff aus dem letzten Loch. Wir entschieden uns die Dinger aus zu lassen für Notfälle. 

Nach dem wir den schönen Blick genossen haben, ging es zurück zur Kreuzung um das Tarp wieder aufzuschlagen.

Diese Nacht wollte ich die Feuchtigkeit etwas im Zaum halten. Daher wurden dieses Mal vorm schlafen gehen alle Bekleidungsschichten ausgezogen. Nicht, dass ich zwischendurch wieder mehr schwitze und die Luftfeuchtigkeit weiter erhöhe. Zusätzlich habe ich den Bivy noch offen gehabt, damit die Luft besser zirkulieren kann. Die Ergebnisse waren im Vergleich zu Bimbis Schlafsack akzeptabel, aber trotzdem weit entfernt von gut. Nach einer komplett durchgeregneten Nacht ging es endlich hoch zum Pico Ruivo. Ich bin schon ein wenig eher gestartet und war total happy, als Bimbi mir geschrieben hat, dass sie nun folgt und ich warten soll. Ich habe mein Handy für dieses Stufenbild angeschaltet und die Nachricht bekommen, dass ich warten solle.

Es war die schönste Pause und noch schöner war es irgendwann die Worte “kimpiiii” durch das Tal hallen hören. Einen Augenblick später haben wir diesen Pfad weiter gemeinsam bestritten. Nach der Hälfte des Weges hat dieser harte Pfad Ausmaße von alpinen Klettersteigen angefangen anzunehmen. Natürlich ohne Sicherungsmöglichkeiten, wie man sie hier zu Lande kennt. Naja, zumindest hatten wir diesen schönen Trail ganz alleine für uns. Es war niemand außer uns dort unterwegs. Wenn man noch etwas sehen könnte, wäre der Ausblick mit Sicherheit schön gewesen. Ein klein wenig konnte man ja die Schönheit des Tales und der Berge erkennen und den Rest mit viel Phantasie erahnen. Die Luftfeuchtigkeit war mit 100 Prozent arg untertrieben. Wie die Kälte bei Pausen einem in die Knochen kriecht, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Doch bei diesen unzähligen Höhenmetern wurden die Beine schnell wieder warm. Kurz vor dem Gipfel des Pico Ruivo kam endlich die Sonne raus. Schnell das Solarpanel auf dem Rucksack montiert und das Handy für die nächsten Fotos geladen. Binnen der nächsten zwei bis drei Stunden habe ich das Handy auf über 60 Prozent geladen. Somit konnte ich auf dem Pico Ruivo Bilder schießen.

  

  

 

Die Sonne hat nicht nur genügend Kraft ein Handy zu laden, sondern ebenfalls die Kraft meine Platte, die Handrücken und sogar die Fingerrückseite verbrennen…
Lichtschutzfaktor 30… am Arsch!

Beim Abstieg haben wir einen anderen Weg gewählt. Dabei gab es eine nahezu unzählige Anzahl von Regenbögen. So viele Töpfe voller Gold. Und einer war sooo nah! Da wünscht man sich einmal einen Klappspaten im UL Rucksack! 

  

  

  

Nach dieser Anstrengung des Tags schmerzten die Gelenke. Ergo fiel die Wahl auf einen Tag Auszeit. Außerdem: Urlaub ist und bleibt Urlaub! Dann können wir auch zurück ins atemberaubende Hotel und uns wieder einmal komplett in der Badewanne aufwärmen. Urban Survival ist, wenn man das Tarp auf dem beheizten Handtuchhalter im vier Sterne Hotel trocknet *lachflash*.

Am nächsten Morgen haben wir uns dann für ein Touristenprogramm entschieden. Einmal noch nach Funchal in die Hauptstadt und den großen botanischen Garten begutachten. Wieder hatten wir den altbewährten Taxifahrer, der uns mit seinem Mercedes schon vom Flughafen abgeholt hatte. Nach ein klein wenig Geschnacke habe ich die Chance ergriffen, einmal den Kilometerstand fest zu halten. Der Fahrer erzählte stolz, dass er den Wagen mit 250.000km auf dem Festland gebraucht gekauft hatte, doch der Tacho hatte trotzdem Anzeichen von Manipulation. Scheinbar hatte er also noch mehr versteckte km geleistet.

  

  

 

Ihr werdet es kaum glauben, aber es gab da zwischendurch tatsächlich Sonne!!!! Ich dachte, ich werde bekloppt. Erst als wir abends wieder zum Hotel reisten, wurde das Wetter wieder, wie gewohnt, schlecht. Nun ja in wenigen Stunden geht es wieder in das warme Deutschland. Der Temperaturunterschied beträgt ja nur wenige Grad Celsius *lach*

Ich freue mich schon auf die nächste gemeinsame Tour durch Süd Schweden im Herbst! Aber eines muss ich sagen, die Insel Madeira wird wieder bewandert. Aber zumindest dann, wenn die Wanderwege nicht wegen Erdrutschen gesperrt sind. Wäre ja zu schade, wenn wir noch ein weiteres Mal herkommen müssten *lach*. 

 

Alles in allem war die Tour trotz des häufigen Umplanens ein voller Erfolg!

PS: Drei Mal dürft ihr raten, welcher Taxifahrer uns soeben mit seinem alten Mercedes zum Flughafen gefahren hat ;-)

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