2018-03 Das zweite Mal Madeira


Pünktlich zum Urlaubsbeginn zeigte sich in Deutschland der Schnee mit tiefen Temperaturen. In der Zeit hätte man ebenso schöne Wintertouren machen können, doch wir hatten Tickets für den Süden. Wir wollten wieder auf die Insel des ewigen Frühlings. Unsere Hoffnung war, dass uns das Wetter etwas besser mitspielte, als beim letzten Mal. Unsere Vorbereitung fiel, verglichen mit dem nebeligen Trip vor zwei Jahren, etwas ausführlicher aus. Leider bot unsere ausgesuchte Strecke kaum eine Möglichkeit zum Einkehren oder für den Kauf von Lebensmitteln.

Angeblich waren drei Cafés auf dieser Route zu finden. Wir waren uns aber ausschließlich bei dem Café in Ribeiro Frio sicher, dass das Café auch geöffnet sei. Bezüglich der anderen Cafés fanden wir trotz intensiver Suche keine Informationen zu ihren Öffnungszeiten.

So nahmen wir uns Proviant für die komplette Tourlänge mit. Die jeweiligen Rationen Frühstück, Mittag, Abendbrot und Snacks für neun Tage nahmen einen großen Teil des Rucksackinhalts und -gewichts aus.

Nachdem wir mit unseren Tourvorbereitungen fertig waren, packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg. In Mannheim sagten wir dem Schnee lebewohl.

Nachdem unser Zug zum Flughafen ausfiel, ahnte ich, dass Murphy diese Tour wieder mit an Board sein könnte.

Wir nahmen eine andere Bahnverbindung. Als wir am Flughafen Frankfurt Main ankamen, wurde uns bewusst, dass nicht nur die Bahn Probleme mit den Schneechaos hatte. Es waren auch etliche Flüge gestrichen oder verschoben.

Durch dieses Chaos hoben wir erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung ab.

In Lissabon sollten wir allerdings keine zwei Stunden zum Umsteigen haben. Das wir diesen Flieger nicht erwischten war leider klar. So wurden wir automatisch in die letzte Maschine des Tages umgebucht.

Nachdem das Boarding dieser Maschine begann, wurde bekannt gegeben, dass das Flugzeug durch ein kleineres Modell ausgetauscht wurde und 60 Passagiere nicht mitkommen würden. Da unsere Sitzreihe in dem kleineren Flieger nicht vorhanden war, durften wir erst einmal nicht mit an Bord. Uns wurde mitgeteilt, dass wir noch eine kleine Chance hätten mitzufliegen, uns aber gedulden müssten. Sollte es nicht klappen, müssten wir die Nacht in einem Hotel in Lissabon verbringen und würden am nächsten Morgen in dem ersten Flieger auf die Insel sitzen. Jetzt war uns endgültig bewusst, dass Murphy diese Tour begleiten würde.

Nach einiger Zeit des Hoffens und Bangens startete der Flieger mit uns an Bord nach Funchal. Wir kamen um kurz nach ein Uhr und 17 Stunden Reisezeit an. Am Ziel angekommen, fielen wir nur ins Bett und starteten am nächsten Morgen unsere Tour.

Wir wurden mit gutem Wetter empfangen. Es war leicht bewölkt aber trocken. Das Licht reichte aus um die schöne Landschaft in ihrer wahren Pracht wahrnehmen zu können. Kurz zusammengefasst, das perfekte Wanderwetter.

Die erste Tagesetappe war von vielen Höhenmetern geprägt. Schließlich ging es ins Gebirge und da muss man von der Meereshöhe erst einmal hinkommen. Der Weg führte an einer trockenen Levada entlang stetig bergauf. Die Sonne schaute immer wieder durch den bedeckten Himmel und Madeiras Landschaft zeigte sich von ihrer schönsten Seite. In der Ferne konnte man eine Schlechtwetterfront kommen sehen, welche uns einen Augenblick später einen Schauer brachte.

Wir nutzten das schlechte Wetter um unsere neuen Regenklamotten zu testen. Einen kurze Zeit später war der Schauer schon wieder vorbei und wir konnten unseren Weg zu den Levadas trocken fortsetzen.

Die Wanderwege an den Levadas waren teilweise sehr schmal und abschüssig. An der Talseite gab es überwiegend Sicherungen, welche jedoch zum Teil sehr wartungsbedürftig waren.

Auch sehr nennenswert war die Stelle, bei der nicht nur die Sicherung, sondern der gesamte Wanderweg durch einen Erdrutsch abhanden gekommen war.

Am Nachmittag erreichten wir Ribiero Frio und genossen in dem Touristelokal Speis und Trank, während wir unsere Smartphones luden.

Am Abend schlugen wir unser Lager auf dem Platz auf, den wir schon zwei Jahre zuvor genutzt hatten. Die Nacht war wie beim letzten Mal kalt und die Luftfeuchtigkeit war hoch. Im Gegensatz zum letzten Mal, hatten wir dieses Mal jedoch keinen Regen.

Unser Haus

Die Speisekammer

Das Bad

Am nächsten Morgen sind wir zu den Balcoes gelaufen und hatten Glück das atemberaubende Tal und die Berge bei bestem Wetter zu Gesicht zu bekommen. Die Berge Madeiras sind sehr beeindruckend. Diese sind zwar mit bis zu 1800 Metern nicht sehr hoch, haben dafür aber steile Hänge und die Baumgrenze ist bereits ab 1300 Metern.Sind viele der Wege trotzdem oberhalb der Baumgrenze. Bei den steilen Hängen fasziniert mich noch immer, dass vergleichsweise wenige Unfälle passieren.

Wir genossen den Ausblick auf das Gebirge und freundeten uns mit den Madeirafinken an. Diese kleinen Vögel waren schon sehr an die Touristen gewöhnt. Nachdem wir uns von den Balcoes einen Eindruck verschafft hatten, was uns die kommenden Tage erwarten würde, ging es weiter in Richtung Westen.

Die nächste Nacht würden wir am Pico das Pedras verbringen. Der Aufstieg war anstrengend und uns taten am Abend die Muskeln und Knochen ganz schön weh. Die ganze Zeit über ging es nur bergauf. Ich sehnte mich schon den letzten Tagen der Tour entgegen, da der Proviantbeutel dann deutlich kleiner und leichter sein würde. In der Nähe von unserem Schlafplatz sollte sich laut Openstreetmaps ein Café befinden. Die Aussicht auf eine kalte Cola war den Tag über genügend Motivation um diesen Weg zu meistern. Leider mussten wir, dort angekommen, feststellen, dass das Cafe nicht (mehr) existiert, daher lag unsere nächste Cola in weiter Ferne.

Am Camp angekommen bauten wir zunächst unser Zelt auf, da es stark nach Gewitter aussah.

Nachdem das Zelt stand, durften wir unsere Camp-Erlaubnis vorzeigen und wurden darauf hingewiesen, dass wir unser Lager zwei Ebenen tiefer aufschlagen mussten. So blieb uns nichts anderes übrig, als das Zelt ab- und wieder aufzubauen.

Nachdem das Zelt stand und wir unser Abendessen kochten, fing der Regen auch schon an. Wir waren froh uns ins trockenen Zelt setzen zu können, kochten in den Zeltabsiden weiter und genossen den Abend.

Am darauffolgenden Tag machten wir uns auf den Weg zu den Queimadas. Der Weg war einfacher und weitaus schneller als erwartet. Da wir so viel zu früh bei unserem Tagesziel ankommen würden, entschieden wir uns für einen Abstecher in die nächste Stadt um in einem Café endlich die heiß ersehnte Cola trinken zu können, bevor wir unseren Weg fortsetzen würden.


 

Wir nahmen in Santana noch ein paar Sehenswürdigkeiten, ein gutes Essen, sowie eine nette Bekanntschaft mit, welche uns für die nächste Wanderung einen Platz für die Nacht auf seiner Farm anbot.

Unser weiterer Weg führte uns zur Achada do Teixeira. Dort gab es eine sehr interessante Steinformation. Wir ließen es uns nicht nehmen ein Foto von uns davor schießen zu lassen.

Von dort ging es weiter Richtung Pico Ruivo. Der Ruivo ist der höchste Berg der Insel und hat ein Camp für gut zwei Zelte direkt am Weg circa 250 Meter unterhalb des Gipfels. Vor zwei Jahren  genossen wir in der Hütte auf dem Berg eine heiße Schokolade. Dieses Mal war die Hütte leider geschlossen. Wie wir bereits in der Planungsphase vermuteten, war ein Großteil der Anlaufstellen auf dem Weg geschlossen. Daher war es die richtige Entscheidung den Proviant für alle Tage mitzunehmen.

Von unserem Zeltplatz unterhalb des Gipfels konnten wir am Abend nicht nur einen wunderschönen Sonnenuntergang, sondern am nächsten Morgen auch einen wundervollen Sonnenaufgang in der Nähe unseres Zeltes genießen. 

Nachdem wir unsere sieben Sachen fertig gepackt hatten, sind wir mit leichtem Gepäck auf den Ruivo um den atemberaubenden Rundumblick über die Insel auszukosten. Es war sehr schön, da wir den Gipfel für uns alleine hatten. Erst als die ersten Wanderer zu uns auf den Gipfel stießen, machten wir uns wieder an den Abstieg. Der Pico Ruivo hat 1862 Meter, unser nächstes Camp für den Abend sollte auf 900 Metern liegen.Wir hatten also einen Abstieg von etwa 900 Höhenmetern vor uns an diesem Tag.

Der Weg begann als breite Wanderautobahn und wurde mit jeder Serpentine in Richtung des Tals schmaler und anspruchsvoller.

Der breite, gepflasterte Weg wich einem schmalen gepflasterten Pfad. Kurze Zeit später war der, vor einem Kilometer noch perfekt ausgebaute, Wanderweg zu einem Weg aus Geröll geworden.

Die grandiose Aussicht entschädigte für den immer schlechter werdenden Weg. Zwischendurch war der Weg komplett verschwunden, ein Erdrutsch beförderte ihn ins Tal. Wir konnten diese Stelle über den kleinen Grünstreifen passieren.

Wir dachten schon der Weg kann nicht anstrengender werden, doch wir irrten uns gewaltig. Es ging nämlich nicht immer nur bergab. Wir haben noch etliche Anstiege bewältigen müssen.

Der Weg führte uns unter anderem zum Pico da Lapa de Canela, Pico Coelho, Pico das Corrinhas, Pico do Jorge, Pico Ferreiro und dem Pico da Encumeada. Gefühlt ging es vor jedem Berg erst 50 Höhenmeter bergab, bevor es wieder 100 Höhenmeter bergauf ging. Der Weg kostete viel Kraft und wir mussten jede Menge Pausen machen.

Am späten Nachmittag war unser Ziel endlich zu sehen, doch uns trennte noch ein Kilometer Luftlinie, dreihundert Höhenmeter und unzählige Treppenstufen. Die einzelnen Stufen waren 10 bis 50cm tief, teils wackelig, teils weggespült und zum Teil in den Fels geschlagen. Dieser Abschnitt des Weges war alles andere als knieschonend.

Am nächsten Morgen konnte Bimbi aufgrund ihrer Knieschmerzen kaum mehr laufen und wir entschieden uns, den weiteren Urlaub entspannter anzugehen. So stiegen wir nach Sao Vicente ab und nahmen uns eine wohlverdiente Auszeit. Während dieser Auszeit erfuhren wir, dass wir unsere Route sowieso umplanen mussten, da der von uns gewählte weitere Weg aufgrund von Erdrutschen gesperrt war. Auch der Weg vom Pico Ruivo war mittlerweile auf der offiziellen Wanderinformation als gesperrt markiert.

Trotz dieser Strapazen wird Madeira uns nicht das letzte Mal gesehen haben. Die weiteren Tage haben wir in verschieden Orten an der West- und Südküste der Insel verbracht. So erkundeten wir unter anderem Porto Moniz, Ribeira Brava und Machico mit wenig Kilometern, teilweise auch mit dem Bus oder als Tramper, aber mit vielen weiteren tollen Eindrücken.

Die Rückreise lief problemlos und wir freuen uns schon auf das nächste Mal!

Obrigado Madeira!

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