2017-03 Hildesheim-Harz-Weg


Bei meinem ersten Ultraleicht-Trekking-Wochenende vor einigen Jahren in der Region um den Wohldenberg fiel mir ein Schild für den Hildesheim-Harz-Weg auf. Als ich wieder daheim war, habe ich mich über den Weg informiert. Die Recherche ergab, dass der Weg 57 Kilometer von Hildesheim bis nach Hahausen am nordwestlichen Harzrand über die Ausläufer des Harzes führt. Dabei werden einige schöne Orte in der Region passiert. So stand eindeutig fest, dass dieser Weg auf meine To-Do-Liste kommt. Dieses Wochenende war terminfrei, so konnte ich diesen Plan nach langer Zeit in die Tat umsetzen.

Ursprünglich wollte ich am Freitagnachmittag direkt los zu fahren. Leider kam ich aufgrund diverser Komplikationen erst am Freitagabend los.

Als erstes fuhr ich von mir aus mit der Bahn nach Hildesheim zum Hauptbahnhof um von dort aus zum Startpunkt zu laufen. Wieso ich nicht bereits in Hildesheim-Ost aus dem Zug ausstieg und mir die ersten Kilometer durch die Stadt verkniff, konnte ich mir nicht erklären. Irgendwie war ich beim Blick auf die Karte wohl etwas unkonzentriert.

Trotz des verbesserungswürdigen Starts machte der Weg schon auf den ersten Kilometern Lust auf mehr. Nach knapp 400 Metern bot sich mir ein wunderschöner Ausblick von der Aussichtsplattform „Bratpfanne“ auf das nächtlich erleuchtete Hildesheim. Nachdem ich diesen Abend gerade mal drei Kilometer auf dem Trail zurückgelegt hatte, baute ich mein Nachtlager auf und genoss den Vollmond. Die Temperaturen waren in der Nacht leicht über dem Gefrierpunkt und in meinem Quilt war es kuschelig warm. Durch das frühe Schlafengehen war ich morgens bei Sonnenaufgang wach und packte meine sieben Sachen zusammen. Ich wollte erst ein paar Meter laufen und dann bei der nächstbesten Sitzgelegenheit in Ruhe frühstücken.

Nachdem ich den Brockenblick passierte, zeigte sich der Trail von einer wunderschönen Seite. Der Weg war ein schmaler Pfad und es war keine Menschenseele weit und breit zu sehen.

 

 

Dieser schöne Abschnitt ging vom Brockenblick bis zur Hildesheimer Börde. Ab der Hildesheimer Börde ging es unter der A7 durch und von dort auf einen Forstweg, welcher parallel zur Autobahn verlief. Ich lief noch ein gutes Stück weiter, um der permanenten Geräuschkulisse der fahrenden Autos und LKWs zu entkommen. Mein Magen hing mir beinahe schon in den Kniekehlen, ich war schließlich schon einige Stunden unterwegs. Als ich realisierte, dass ich keinen ruhigeren Platz in der nächsten halben Stunde fände, machte ich es mir auf dem nächsten Holzscheit bequem und freute mich auf mein wohl verdientes Frühstück.Da saß ich nun voller Vorfreude auf  dem Scheit und aß mein zuvor abgepacktes Müsli mit Milchpulver. Nach dem ersten Bissen wurde mir jedoch bewusst, dass das Milchpulver wohl abgelaufen sein musste. Es schmeckte einfach nur ranzig.

Na gut, also blieb das Müsli weg. Für diesen Tag waren noch zwei Schoko-Müsliriegel als Snacks dabei, welche ich mir als Frühstücksersatz genehmigte. Mit der lauten A7 im Hintergrund war das „Frühstücken“ an diesem Ort nicht sehr toll. So ein wenig gestärkt folgte ich weiter den „H“-Markierungen und stellte fest, dass diese mich, anders auf meinem GPS -rack, bald wieder zurück über die A7 führten. Die ursprüngliche Route musste anscheinend angepasst werden, da die nächste Brücke vor einigen Jahren abgerissen wurde.  Ab diesem Moment verließ ich mich auf die Beschilderung und waren keine passenden Markierungen vorhanden, wählte ich den Weg, der Richtung Derneburg verlief. In Hersum traute ich meinen Ohren nicht, denn eine historische Dampflok schnaufte durch das Innerstetal.

Die nächsten Kilometer ging es durch das Naturschutzgebiet „Mittleres Innerstetal mit Kanstein“ bis zur Derneburg.

Am Fuße dieser Burg gönnte ich mir mein Mittagessen. Auf der Speisekarte standen Miso-Nudeln mit Käse und Wurst. Die China-Nudeln alleine hätten mich wohl kaum gesättigt, in der Kombination waren sie zumindest am ersten Tag akzeptabel im Geschmack und kalorienreich.

In diesem Moment überlegte ich, dass ich auf Tour auch mal wieder richtig kochen müsste, denn geschmacklich liegen Welten zwischen diesen minimalen Freezer-Bag Gerichten und einfacher Supermarktküche. Ich denke ich werde in der nächsten Zeit das Thema in einer eigenen Kategorie vertiefen.

An der Burg herrschte an diesem Tag viel Trouble - Menschenmassen reisten in Bussen an. Es blieb mir nichts Weiteres übrig, als einen Schritt zuzulegen und hinter der Derneburg wieder im Wald zu verschwinden. Dieses Stück war geprägt von einigen Höhenmetern und mir wurde  bewusst, wie praktisch es war, die Trekkingstöcke dieses Mal wieder mit dabei zu haben, denn ohne diese wäre ich sicherlich nicht noch so gewesen.

Auf der Burg Wohldenberg gab es einen Turm, von dem man die Aussicht genießen konnte. Da ich jedoch schon einige Zeit zuvor auf dem Turm war und die Bilder noch im Kopf hatte, sparte ich mir diesen Abstecher. Für jemanden, der noch nicht dort war, ist dies ein lohnender Umweg! Kurz nach der Burg Wohldenberg machte ich eine weitere Pause.

Es war gerade zwei Uhr am Nachmittag und ich brachte schon über zwanzig Kilometer hinter mich. Angespornt von dieser Leistung gönnte ich mir eine kurze Pause, als sich das Wetter von leicht bewölkt zu strahlendem Sonnenschein wandelte.

Der nächste Abschnitt führte über einen sehr ansprechenden schmalen Pfad. In diesem Abschnitt wurden keine vorsorglichen Baumbeschneidungen mehr durchgeführt.  So lagen nicht nur abgebrochene Äste, sondern auch ein umgestürzter Baum auf dem Pfad. Dies vermittelte mir den Eindruck von purer Natur. Gleichzeitig war ich sehr froh, dass in diesem Moment kein Orkan durch den Wald fegte.

Auf dieser Etappe begegnete mir der einzige Wanderer an diesem Tag. Er kam gerade vom Jägerhaus und teilte mir seine Freude über den tollen Pfad mit. Nach einem kleinen Plausch ging ich weiter in Richtung Jägerhaus. Ich freute mich schon auf eine eiskalte Cola. Zudem wollte ich dort meine Wasservorräte auffüllen. Als ich dort ankam, wurde mir bewusst, dass diese Idee nicht von Erfolg gekrönt sein sollte. Das Jägerhaus befand sich noch in der Bauphase. Damit war mein Traum von einer eisgekühlten Cola geplatzt wie eine Seifenblase. Die Uhr sagte mir, dass es bereits 17 Uhr war und die Sonne begann unterzugehen.

Also hielt ich die Augen langsam nach einem geeigneten Schlafplatz für die Nacht in der Nähe der Bodensteiner Klippen offen. Die Sonne verschwand langsam hinterm Horizont und ich schaute nach wie vor nach einer halbwegs ebenen Fläche zum nächtigen.

So suchte ich Stunde für Stunde nach einem Platz, bis ich um kurz nach sieben in der Dunkelheit endlich einen halbwegs brauchbaren Schlafplatz am Rücken eines Felsens fand. Ich stellte schnell das Tarp, die Isomatte und den Quilt auf und verschwand schon vor „hikers midnight“ zum Schlafen im Bett. In der Nacht sank die Temperatur auf -2°C bei 90% Luftfeuchtigkeit. Ich war echt froh, den dicken Quilt eingepackt haben. In meinem Drei-Jahreszeiten-Quilt wäre dies eine bitterkalte Nacht geworden.

Am nächsten Morgen stand ich wieder mit den ersten Sonnenstrahlen auf und baute mein Lager ab. Ich lief ein paar Kilometer bis kurz vor den Ort Bodenstein, wo ich am Waldrand auf einer Bank in der Sonne frühstückte und dem Raureif auf den Pflanzen beim tauen zuschaute.

Ab diesem Waldstück führte der Weg leider nur noch über Wanderautobahnen unzählige Höhenmeter hinauf. Langsam begann ich die 33 Kilometer vom Vortag in den Beinen zu spüren. Doch unermüdlich näherte ich mich dem Ziel, dem Hahausener Bahnhof. Ich wollte mir dort endlich die ersehnte Cola kaufen. Kurz vor Hahausen zeigte sich dann endlich der Harz von seiner schönen und imposanten Seite. Mir war gar nicht bewusst, wie schön auch der Rand des Westharzes ist.  

Am Bahnhof musste ich feststellen, dass ein Bahnhof mit befahrenen Gleisen nicht heißt, dass dieser auch von Zügen angefahren wird. So bestellte ich mir ein Ruf-Taxi und begann meinen Rückweg.  

Daheim trank ich in Ruhe eine Dose Cola und war froh, das Wochenende so intensiv genossen zu haben.

PS: Die Packliste gibt es hier!

2 comments

  1. Schöner Bericht von dieser Strecke, leider sind ja sehr viele Strecken mit Wanderautobahnen durchseucht. Bzgl. des Essens stehe ich auch mehr auf "richtig kochen". Trage lieber ein paar Gramm mehr Essen mit, auf nem Wochenendtrip ja eh kein Ding, und koche mir ne richtige Portion Reis mit Wurst und so auf dem Hobo, da ist auch die "Seele" noch mit dabei :-)
    Hat Dein Solarpanel bei dem wohl eher trübem Wetter nennenswert Strom produziert ?
    Grüße, Jürgen

    Der Wolkenfänger So, 26 Mär 2017

  2. Hallo Jürgen, ja die Stecke hat so schöne Stücke. Der Abschnitt aus Hildesheim raus, vom Woldenberg zum Jägerhaus und anschließend die Bodensteiner Klippen sind eigentlich so schön. Ich schau mal wo es mich als nächstes hinzieht.

    Bei dem trüben Wetter habe ich über die beiden Tage etwa eine Akkuladung (3000mAh) vom Smartphone erzeugt. Das war zwar weniger als erhofft aber dennoch mehr als befürchtet ;)

    Viele Grüße,
    Kai

    Kai So, 26 Mär 2017

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