2016-03 Auf dem Hexenstieg


Nachdem ich schon auf Madeira wahnsinniges “Glück” mit dem Wetter gehabt habe, blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf die nächste Tour zu freuen.

Ein schneller Blick in den Wetterbericht des Harzes für die nächsten Tage zeigte leider nichts Erfreuliches. Regen, Schneeregen und zwischendurch ein wenig Sonne. Die Temperaturen sollen sich zwischen sieben und minus drei Grad Celsius einpendeln.

Ich dachte mir, dass das ein Spaß werden könnte. So schnell habe ich keine Gelegenheit mehr einen solchen Qualitätswanderweg alleine in einem Stück zu absolvieren.

 

Also muss ich mir schon wieder Gedanken um die Klamotten machen. Meine Frühjahrs-Packliste wird durch das Wetter ein wenig mit einigen Winterkomponenten erweitert, denn wenn die Tour nicht nur feucht, sondern auch nass ist, dann bitte nicht auch noch kalt!

 

Nun war es endlich so weit, Gründonnerstag und pünktlich um 12 Uhr fällt der Hammer und das Osterwochenende im Harz kann beginnen!

 

Um 14 Uhr startete ich in dem schönen Oster(r)ode und nahm die ersten Höhenmeter direkt in Angriff. Schließlich befindet sich der Ort geographisch im südwestlichen Harz und grob gesagt musste ich nach Nordosten. Also einmal alles mitnehmen, was es gibt.

 

Erstaunlicherweise war das Wetter besser als erwartet. Schnell verschwanden die Daunenjacke und die Mütze wieder im Rucksack und die Ärmel wurden hoch gekrempelt. Die ersten Kilometer auf dem Weg hatten das Motto “Auf den alten Handelswegen!. Mir schien, als ob dieses Motto nicht von ungefähr kommt. Schließlich wanderte ich bis jetzt nur auf gut ausgebauten Feldwegen, manchmal auch spöttisch als Wanderautobahn bezeichnet. Aber was soll´s - ich bin draußen, habe herrliches Wetter und komme erfolgreich voran. Die ersten Kilometer vergingen rasch und das trotz diverser Höhenmeter.

Es gab einige Gelegenheiten während des Gehens oder in den Pausen um das eine oder andere Bild von der Umgebung zu schießen. Ich war ja schließlich nicht zum Spaß hier! Ich wollte durch den Harz und viel wichtiger ich wollte auf den Brocken! Vielleicht sollte ich ja dieses Mal das große Glück haben, auch etwas von der Landschaft zu sehen. So Sichtweiten von mehr als 50 Meter wären mal eine feine Sache!

Natürlich habe ich mich auch fleißig in das Hexenstieg Buch eingetragen. Kann ja nicht sein, dass man so einen wichtigen Schritt und Gelegenheit verpasst niederzuschreiben, wem man die Tour widmet.

Weiter ging es bei herrlichem Wetter in die Abendsonne.

Während der Dämmerung konnte ich mein Nachtlager binnen weniger Minuten aufschlagen. Dieses MYOG Tarp ist echt ein Hit und wird mich auf vielen Solo Touren begleiten. Es ist nicht nur schnell aufgebaut und geräumig, sondern lässt auch viel frische Luft rein, wenn sie benötigt wird.

Der Himmel zog sich beim Aufbauen weiter zu, dass ich mich zur Sicherheit - sollte es ordentlich winden und sprayen - zusätzlich in den Bivy gelegt habe. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit eher kontraproduktiv. Ich hatte eine Tropfsteinhöhle, welche dem Loft an die Gurgel wollte. Und dabei war ich noch unzählige Kilometer von Rübeland entfernt.

Sollte die Sonne bald wieder raus kommen, wollte ich den Schlafsack trocknen. Der Bivy sollte den Rest der Tour wohl ein Dasein als Kopfkissen fristen.

Die neue Taschenlampe (NiteCore Tube) hatte sich in der Nacht bewährt. In der Nähe muss ein Jäger gesessen haben und hatte anscheinend Jagderfolg. Daher habe ich, wenn ich aus dem Tarp gekrochen bin um etwas weg zu bringen, entgegen meiner Gewohnheiten viel Licht gemacht. Besser als eine Ladung Blei in den Hintern zu bekommen ;).

Die Wege zur nächsten Quelle wurden wieder schöner und die Wanderautobahn wurde ab und an für schöne Pfade verlassen. Mit persönlich gefallen so kleine Pfade sowieso viel besser. Habe aber auch online gelesen, dass bis zum letzten Drittel der Tour fast ausschließlich breite Wege zu gehen sind. Es geht leider den Hauptteil der Wanderung nicht über so kleine Pfade. Schade, vielleicht beim nächsten Mal doch den Hexenstieg 2.0.

Das gute Wetter vom Start der Tour wich einem schönen grau in grau. Die aktuellen Touretappen hatten das Motto “Oberharzer Wasserwirtschaft”. Es erinnerte mich dunkel an die Levadas in Madeira. Genau so diesig war es ja...

An der Eisenquelle angekommen, habe ich ein auf dem Hexenstieg wanderndes Pärchen aus Thale getroffen, die sich über den nächsten Stempelkasten informiert hatten. Nach einem kurzen Blick auf die Karte stellte sich heraus, dass der nächste Kasten noch ein paar Kilometer entfernt war.

 

 

Als ich von meiner nächsten Pause gerade los ging, sind die beiden gerade angekommen. Diese Treffen haben sich den Tag über mehrfach wiederholt. Zwischendurchhaben wir  immer mal wieder einige Minuten gequatscht. So ging es weiter bis zum Magdeburger Weg.

Meine Fresse, war das glatt! Ich war echt froh meine Trekkingstöcke zu haben. Ein schmaler Pfad, eine tiefe Schlucht und zu Eis komprimierter Schnee in Verbindung mit Schmelzwasser gibt eine ordentliche schmierseifenähnliche Substanz. War ein mulmiges Gefühl. Zumindest konnte ich mir viel Zeit lassen, denn mein Tagesziel ein bisschen weiter als nach Torfhaus zu gelangen, rückte in greifbare Nähe.

Als ich dann abends mein Lager am Fuß des Brocken aufbaute, stellte ich fest, dass der Schlafsack durch den Bivy ordentlich Nässe gezogen hatte. Die Fußbox hatte nur noch wenig Loft, das Wetter hatte noch einmal die Luftfeuchtigkeit erhöht und für viel Regen gesorgt.

 

Im Angesicht einer anstrengenden und kalten Nacht habe ich mich an das Pärchen erinnert, welche in einer Jugendherberge in Torfhaus ihre Nacht verbringen wollte. Das schien mir die bessere Alternative. Also bin ich erst einmal wieder zurück gewandert um mich dort ebenfalls für eine Nacht einzumieten und den Quilt auf die Heizung zu legen.

 

Am nächsten Morgen sind wir ab dem Goetheweg gemeinsam den Brocken hinauf.

Auf dem Brocken angekommen, haben wir uns wieder getrennt, denn ich wollte mir eine Pause mit Erbsensuppe gönnen, während die beiden schon weiter wollten.

Leider war das Restaurant noch nicht geöffnet und ich musste mich mit meinem mitgebrachten Zeug ernähren und den Rucksack erleichtern.

Der Blick auf die Brockenbahn ließ mich in Erinnerungen an Fahrten mit Dampfloks schwelgen. Die letzte Fahrt musste schon ewig her sein.

Später in Drei Annen Hohne habe ich auf dem Bahnhof ein wenig die Züge der Harzer Schmalspurbahn fotografiert.

Ratet mal, wen ich getroffen habe, als ich die nächste Pause gemacht habe. Richtig - die Thaler. Wir beschlossen die nächsten Kilometer gemeinsam zu gehen.

Erst ab Königshütte haben sich unsere Wege wieder getrennt. Es war gerade einmal 16 Uhr. Noch zu früh um mit dem Laufen aufzuhören, doch die beiden hatten dort ein Zimmer für die Nacht gemietet. Somit bestieg ich noch die Burgruine und die beiden machten Feierabend. Die nächsten Stunden fand ich einen Schlafplatz nach dem anderen an den schönsten Orten, die man sich vorstellen kann.

Ab dem Moment wo es Uhrzeittechnisch passt, sah die Sache leider wieder ganz anders aus. Naja, dann habe ich mich eben mit dem nächstbesten Platz begnügt. Dieser war ein wenig abschüssig und ohne Netz, aber halb so wild. Wenigstens halbwegs bequem und ohne Witwenmacher. Prioritäten sind manchmal rein praktisch zu setzen.

Am nächsten Morgen ging es über Rübeland weiter. Die Wege wurden von Stunde zu Stunde schöner und angenehmer. So vergingen die ersten Stunden wie im Fluge.

 

 

Ab Höhe der Rappbodetalsperre ging es leider steil bergab mit meinem Huf. Am Kuhberg angekommen, war der angenehme Part vorbei. Auf 10 Minuten gehen mussten mindestens 10 Minuten Pause folgen. Tja... was sollte ich tun? Die Möglichkeiten waren begrenzt. Sollte ich mich in diesem Schneckentempo die letzten 15 bis 20 km durchbeißen? Eine andere Alternative wäre das Lager schon zur Mittagszeit aufzubauen und zu hoffen, dass ich am Folgetag die Strecke zu Ende schaffen würde. Meine dritte Möglichkeit war die Einladung von Friese in seine Hütte auf einen Kaffee vorbeizukommen, sollte ich die Tour frühzeitig beenden.

Nach reichlichem Überlegen habe ich mich für die letzte Option entschieden. Es war mir zu ungewiss, ob ich es den nächsten Tag schaffen würde.

 

Es ist zwar enorm ärgerlich so kurz vorm Ziel das Handtuch schmeißen zu müssen, aber es waren knapp 80km, die ich laufen konnte. Nicht zuletzt bin ich der Meinung, dass das Bodetal, welches von meinen kurzzeitigen Mitwanderern als schönster Abschnitt des Hexenstiegs beschrieben wurde, meine volle Aufmerksamkeit verdient. Auch wenn das bedeutet, dass dies zu ein späteren Zeitpunkt sein wird.

 

Alles in allem war es ein gelungenes Osterwochenende!

PS: Die Packliste gibt es mittlerweile hier!



 

2 comments

  1. Sehr schöner und ausführlicher Bericht mit klasse Bildern!
    Freue mich schon jetzt auf den nächsten :-)

    Bimbi Mi, 30 Mär 2016

  2. Hallo kImperator,
    2. Versuch ...
    Dein lahmer Huf ist natürlich sch..., hoffe das ist wieder gut und die nächste Tour geht bis zum Ende durch. Ich habe ja auch letzten Weihnachten spüren müssen, dass Abbrechen auch mal das einzigst richtige ist. Kann passieren !
    Deine Bilder haben mir sehr gefallen, habe vieles wieder erkannt und kllar habe ich ganz ähnliche Bilder. habe den Hexensteig einmal westlicher und einmal östlicher Teil auf zwei mal gemacht, da ich jeweils einen Rundkurs draus gemacht habe und noch andere Bereiche eingebunden habe.
    Berichte und bilder findest Du auf www.wolkenglut.de bei Interesse.
    Hoffe diesmal klappt das Kommentieren ...
    Gruß, TappsiTörtel

    TappsiTörtel Fr, 8 Apr 2016

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