2014-08 Mit Murphy durch Schweden


Warum zum Teufel plane ich eigentlich? Diese Frage stellte ich mir die letzten Tage des Öfteren.

Nicht aus Frustrationsgründen, sondern in der Planungszeit hätte ich einfach Touren machen können. Das Ergebnis wäre sicherlich nicht großartig anders!

Aber ich fange am Besten von vorne an.
Nachdem ich das letzte halbe Jahr meine Planung für diesen Trip vorbereitet und verfeinert habe, stellte ich am Airport Hannover am 12. August eine gewisse Überheblichkeit fest. 

Langärmliges Merino Shirt - liegt auf der Wäscheleine.
Gürtel - direkt daneben, damit ich es ja nicht vergesse 

Fängt ja schon gut an, egal, ist ja trotzdem noch alles im Rahmen. Nicht einmal beim Umsteigen in München konnte mir die Durchsage "Abflugsverzögerung" meine Laune trüben, vielleicht war ja klein wenig Murphy bei mir. 





Angekommen am Stockholmer Airport habe ich durch die Verzögerung den letzten Zug nach Falun verpasst. Ergo war mein Plan - ab nach Stockholm Central, in ein Hotel einchecken, und dann ab in eine Metal Kneipe und ein Bierchen trinken. Keine 10 Minuten in Stockholm angekommen wollten piek fein gekleidete Schwedinnen ein Foto from the man with an epic beard machen *g*.
Bei den Hotelpreisen für ein Zimmer - dachte ich mir nur: „Ich möchte das Zimmer doch nicht kaufen, nur für eine Nacht mieten!“ Ergo den Alternativplan über den Haufen geworden, kein Schlaf ist auch eine Lösung, ab in eine Metal Kneipe. Das gesparte Hotelgeld hochprozentig verzinsen, durchmachen und am nächsten Morgen auf nach Falun - im Zug ist schlafen auch keine schlechte Idee. Da es jedoch noch zu früh zum Weggehen war, versuchte ich erst einmal das Fehlende einzukaufen.
Spiritus und Cola für den Käpt´n. Nachdem ich auf der Suche nach Spiritus erfolglos durch zehn Supermärkte gegeistert bin, bekam ich von einer netten Verkäuferin den Tipp, es in einer Tankstelle zu versuchen.

Ergo ab zur nächsten Tankstelle für Spiritus - kann doch nicht so schwer sein eine zu finden.
Das war mein Gedanke während der nächsten zwei Stunden, in denen ich wild durch Stockholm lief und nichts gefunden habe. Nach über zwei Stunden habe ich endlich eine Tankstelle gefunden, welche "Bio-Ethanol" als Lösungs-/Reinigunsmittel verkaufte. Endlich!
Keine fünf Minuten später fand ich die nächste Tankstelle... und die übernächste... Wieso findet man eigentlich immer nur das, was man gerade nicht braucht?


Auf dem Rückweg habe ich eine schöne Kneipe gefunden.

Nichts wie rein und die Nacht zum Tage machen!

Um vier war der Spaß jedoch vorbei und ich begann meinen Weg zurück zum Bahnhof. Um 6:30 Uhr fuhr ja ein Zug nach Falun.
Der Ticketschalter sollte ab sechs besetzt sein, war es dann schließlich ab halb acht. Ergo Ticket kaufen und um viertel vor acht ging es endlich los - endlich Zeit zum Schlafen.
In Falun konnte ich dann erst einmal mein erste Hilfe Krams herausholen, da ein anderer Festivalbesucher es vorzog, sich mit einer fallenden Schnapsflasche eine halbe Fingerkuppe abzuschneiden, anstatt den Billig-Vodka fallen zu lassen.... no comment.


Vom Bahnhof Falun ging es die ersten Kilometer zum Gelände. Durch das viele Gewicht freute ich mich aber auf den Rückweg, auf dem ich das Gewicht von Rum und Cola wegfallen würde.

Auf dem Festivalgelände angekommen fühlte ich mich nicht wie im Urlaub, eher wie daheim. Zuhause in einer wunderbaren Landschaft zwischen Deutschen, Isländern, Schweden, Norwegern,...


Auch die einen oder anderen verwirrten Blicke werde ich nie vergessen, in einem akzentfreien Schwedisch Passanten zu fragen, ob sie englisch können bei irgendwelchen Fragen.
So auch bei der aus Gävle stammenden Solveig, welche mich, wenn ich in Gävle ankommen sollte auf einen Kaffee zu sich einlud. Einmal Nummern tauschen und Sol besuchen stand auf der ToDo Liste für diesen Trip.


Über die Festivaltage konnte ich nicht alles an mir vorüber gehen lassen, weder die angrenzenden Wälder als auch die Sehenswürdigkeiten.



Bei dieser Gelegenheit habe ich mir im nächsten Buchhandel auch gleiche eine Karte gekauft.

Den letzten Festivaltag ging es noch einmal die Reste vernichten, ehe es nach drei Stunden Schlaf endlich mit der Tour losging. Ich weiß allerdings nicht, ob es am Schlafmangel, oder an der frischen Luft gelegen hat. Ich war nach gerade einmal vier Stunden wandern so kaputt, dass ich mein Zelt aufschlug und beinahe bis zum nächsten Morgen durch schlief.

Einzig ein Elch, welcher wie von einer Tarantel gestochen aus dem Wald in 3m Zeltentfernung herausgerannt kam, einmal röhrte und wieder in dem selben Affenzahn zurück in den Wald rannte, konnte mich aus dem Schlaf reißen.

Am nächsten Morgen wollte ich es entspannt angehen. Fünf bis sechs Stunden Wandern, dann Zelt aufbauen und ein Buch lesen.
Wenn ich nur gewusst hätte, dass die Vegetation so dicht ist, hätte ich wohl das Zelt zuhause gelassen. 4m*1,5m ebene, freie Fläche zu finden war nicht möglich. Ergo Poncho als Tarp aufspannen und jede Gelegenheit nutzen.



Am folgenden Tag wurde es ebenfalls am Abend nicht besser mit der Platzsuche - mich beschlich der Gedanke, dass ein so großes, nicht selbststehendes, Zelt ein Problem auf der Tour werden könnte.

An diesem Abend habe ich an einem wunderschönen See genächtigt.
Wer möchte nicht mit einer solchen Kulisse aufstehen können.




Auch die nächsten Tage wurde es nicht besser mit dem Finden eines Schlafplatzes - es kam in mir immer wieder das Bedürfnis nach einer leichten Motorsense auf.



Gemäß Karte führte kein direkter Weg mehr zum Ziel - von daher hieß es auf einmal, entweder 5km zurück und 10km Umweg nehmen,
oder einfach quer Feld ein - durch den Wald.

Ich bevorzugte den Plan B - ich gehe nicht gerne zurück - , ein folgenschwerer Fehler.

Somit ging es erst Richtung Norden zu den Bahnschienen, dann am Gleisbett für einen Kilometer entlang um dort auf die nächste Privatstraße zu kommen. 
Auf so einem Gleisbett lässt es sich echt bescheiden mit schwerem Rucksack gehen, aber zumindest hört man die Züge früh genug.



Die Privatstraße war gefunden, leider nicht so ganz und gar.
Gemäß Karte führt diese westlich an einem Gewässer vorbei.
Ich sehe, wie die Straße von Norden kommend, direkt ins Gewässer führt.

Am anderen Ufer konnte ich nicht eindeutig erkennen, ob die Straße auch wieder herausführt. Ich hatte nämlich eine Kontaktlinse verloren und wollte mit den dauerhaft verschlammten Fingern nicht meine Ersatzlinsen einsetzen.
Somit ging es weiter ins Ungewisse, östlich am Gewässer vorbei, direkt durch mooriges Gebiet, mit den Beinen knietief im Morast. 


Nachdem ich auf der anderen Seite des Gewässers sehen konnte, dass die Privatstraße nirgends aus dem Gewässer herausführt, zückte ich die Karte und stellte fest, dass ich, wenn ich einfach in südöstlicher Richtung laufen würde - je nach Winkel - an zwei oder drei Privatstraßen vorbei kommen würde, welche alle zum Ziel führten . Also ging es weiter. Erst durch den Morast, dann durch Blaubeerteppiche und zum Schluss über Geröll auf dem ein Trekkingstock dafür gesorgt hat, dass mir beim Fallen nicht passiert. Trotzdem ging der Weg von dort an mit nur einem Stock weiter bis zur Privatstraße.


Dort hat mich ein Seniorenpaar aus Italien aufgegabelt und die letzten km bis Hofors mitgenommen. Ich spreche kaum Schwedish und kein Italienisch und die haben weder Deutsch und kaum Englisch sprechen können. Waren sehr interessante Unterhaltungen mit Händen und Füßen. Auf jeden Fall haben sie vom "Kungsberget" geschwärmt der in der Nähe über den Gästrikeleden erreichbar sein soll - welcher ebenfalls nach Gävle führt. Also in Hofors angekommen erst einmal an den nächsten See gesetzt und überlegt ob ich meine komplette Planung mit dem Wandern nach Stockholm über Gävle über den Haufen schmeiße. 
Einmal das GPS angeschmissen um nachzusehen, wieviele km es denn bis zum Kungsberget sind... ich glaube ihr habt mich in Deutschland nach "MUUUURRRRPPPPHYYYYYYYY" schreien gehört. Die Topo SD-Karte von Deutschland war dort echt keine Hilfe bei! Die Schweden Topo Karte lag noch zuhause im Kartenleser. Ich war mir nicht mehr sicher, ob es meine, oder Murphys Reise war.

Mal wieder was Nutzloses was ich mit mir geschleppt habe - wie das Zelt. Der Plan mit dem Gästrikeleden klang aber zu gut um verworfen zu werden. Daher machte ich mich auf die Suche nach einem Internet-Café um eine Schweden OSM Karte fürs GPS zu besorgen. Leider sind Internet Cafés im Smartphone Zeitalter ausgestorben - auch in Schweden.

Ein ausgeschaltetes Smartphone hatte ich auch dabei, auch mit GPS, aber die letzten paar prozent Akku wollte ich für Notfälle sparen. 

Doch dann kam mir die Idee - ab ins Hotel - Klamotten vom Gestank des Moores befreien lassen, Smartphone laden, Schweden-Karte fürs Smartphone herunterladen.

Am nächsten Morgen stieg ich wie gerädert aus dem Hotelbett. Das war wohl zu viel Luxus. Nach einem guten Frühstück ging es los die Etappe zum Kungsberg in Angriff zu nehmen.

Da ich aus meiner Karte nicht so schlau wurde, wo der Trail in Hofors beginnen sollte, es mir aber in Västerberg narrensicher erschien ging ich durch die Waldwege nach Västerberg um dort den Trail zu bewandern.
In Västerberg war es dann ganz einfach - nächstes Ziel Kungsberg!


Das war meine Motivationsspritze - ich lief und lief und lief in hohem Tempo auf dem Trail.
Alle 30-100m waren die Bäume gekennzeichnet, auch eine Karte war dafür nicht nötig.

Der Trail offenbarte mir eine wunderschöne Natur



Auch die Abzweigungen auf den Wegen waren prima gekennzeichnet.
Auch gab es auf diesem Trail Schutzhütten zum nächtigen - somit interessierten mich die Blaubeeren auch nicht mehr in der Zeltproblematik!


Als ich abends jedoch das nächste Ortsschild sah wusste ich - es ist Murphys Reise!

"Hofors" - NEEEEEEEIIIIIIIINNNNNNNNNN.
Ich bin die ganze Zeit den Trail in die falsche Richtung gegangen, hätte ich doch einmal zwischendurch die Karte gezückt, oder das Handy, oder hätte Superman gefragt.

Kurz davor frustriert aufzugeben, ging ich bis zur nächsten Schutzhütte, machte ein Feuer und fing an meine Klamotten zu trocknen.



Die friesischen Wattebällchen, welche es zum Feuerstahl gab, sind nun auch Geschichte. Genauso wie die Hälfte der Vaseline und mein Birkenrindenvorrat stark geschrumpft sind, doch ich musste auf Nummer sicher gehen - selbst das Kernholz war nass. Es war alles nass, auch abgestorbene Zweige welche noch an den Bäumen hingen, waren vollgesogen. Der viele Regen die letzte Zeit hatte seine Spuren hinterlassen.

Den Trail einfach komplett in die andere Richtung zu Ende laufen - dafür blieb mir nicht genügend Zeit. Somit habe ich mir überlegt am nächsten Morgen mit dem Bus nach Västerberg zu fahren und wieder auf den Trail gehen - dieses mal jedoch richtig herum!

Ab diesem Moment wurde es ruhig. Nicht vom Plan abbringen lassen... nur der Trail, die Natur, ab und an ein Feuer zum Kochen und ich. Auf dem restlichen Trail habe ich mein Zelt noch ein weiteres Mal aufstellen können. Das hat sich echt gelohnt, das mitzuschleppen *grml*.



In Gävle angekommen kontaktierte ich Sol bezüglich des Kaffees.
Sie musste aber leider bis abends arbeiten, somit ging ich weiter bis Engelsberg um eine Runde in der Ostsee schwimmen zu gehen.



Nach dieser Runde schwimmen ging es um des Kaffees Willen zurück nach Gävle zu Sol.
Mir wurde angeboten, eine Dusche zu nehmen und die Klamotten einmal durchzuwaschen.
Ich weiß immer noch nicht, ob ich das einfach aus Gastfreundschaft angeboten bekommen habe, oder ob es reiner Selbstschutz war

Nach einer weiteren Nacht in einem bequemen Bett bekam ich noch den Tipp, nach Årsunda - an die Riviera Schwedens zu wandern, da es dort sehr schön sein sollte. Dort gab es auch einen Camping Platz - damit sollte sicher gestellt sein, dass sich mein Zelt sich einmal wieder aufbauen lässt.

Vor Ort habe ich dann festgestellt, dass Camping prinzipiell ganz schön ist, wenn nur nicht diese anderen lauten Camper wären.



Gegen die lauten Camper half es nur mit den guten Oropax zu schlafen.

Am Abreisetag ging es über Gävle nach Stockholm.
Dort musste ich noch in ein Wikinger Restaurant, welches mir auf dem Wacken von meinen Schweizer Nachbarn empfohlen wurde, welche zu dem Zeitpunkt gerade aus Schweden kamen.

Nachdem das Ende der Reise relativ frei von Murphy von Statten ging,
hat er sich nach dem Restaurantbesuch wieder gemeldet.

Den letzten Zug zum Flughafen um drei Minuten verpasst.
Also ab mit dem Taxi zum Flughafen.


Den letzten Zug zum Flughafen um 3 Minuten verpasst.
Also ab mit dem Taxi zum Flughafen.

Auch dort hat er sich wieder gemeldet



Je länger ich drüber nachdenke,

ich war die ganze Tour über nie zur geplanten Zeit am geplanten Ort.
Dafür war ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Es war einfach unbeschreiblich! 

kImpi

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